Tag der offenen Biogasanlage in Röshof ein voller Erfolg

Der erste von vier Terminen zum „Tag der offenen Biogas-Anlage” fand am Samstag, den 27. Mai statt und zog bei strahlendem Sommerwetter die Besucher an. Viele Interessierte kamen trotz herrlichstem Freibadwetter zum Biokraftwerk Röshof, um einen Einblick in die Funktionsweise der Biogas-Anlage zu erhalten und „hinter die Kulissen” zu blicken. Das Team um Anlagenbetreiber Hans Stallmann-Prechtel hatte keine Mühen gescheut: Den Besuchern präsentierte sich nicht nur die Biogasanlage (bestehend aus den drei Behältern Fermenter, Nachgärer und Endlager mit vielen Details wie der Fütterung, dem Rührwerk, der Heizung und den imposanten Motoren) in bestem Licht, man hatte auch noch einen Teil des Fuhrparks nach Röshof gebracht, so dass die Interessenten sich über Radlader, Ladewagen, Traktoren und sogar über einen „Pisten-Bulli“ informieren konnten. Auch für ein Kinderprogramm inklusive Hüpfburg war gesorgt.
Am frühen Abend war dann die Politprominenz in Röshof vor Ort und eröffnete nach einer kurzen Begrüßung durch den Anlagenbetreiber Hans Stallmann-Prechtel und Geschäftspartner Armin Nürnberger das Abendprogramm mit ihren Grußworten.
Den Beginn machte der 2. Bürgermeister von Lehrberg, Axel Haag, gefolgt von Jürgen Ströbel. Die Redner lobten das Engagement der Betreiberfamilie Stallmann-Prechtel, die Tradition zum „Tag des offenen Hofes“ aufrecht zu erhalten.
Rainer Weiß vom Bauernverband ging in seiner Rede auf die Strukturveränderungen in der Landwirtschaft im Ansbacher Raum ein. Zwischen 1987 und 2007 gingen nach offiziellen Zahlen des Bayerischen Statistischen Landesamtes die Rinderbestände in Mittelfranken um 37% zurück. Unter der Annahme, dass ein Rind 0,3 ha Futterfläche benötigt, wurden so mehr als 60.000 ha für andere Früchte frei. Da der Ansbacher Raum etwa ein Drittel von Mittelfranken ausmacht, können deshalb etwa 20.000 ha Fläche nun anderweitig genutzt werden. Damit wird auch Platz frei für Bioenergie und „Biogasflächen“. Der Strukturwandel in der Tierhaltung allgemein sei eminent, so Weiß. Allein in den letzten 15 Jahren haben 55% der Milchviehhalter, 58% der Rindermäster, 66% der Schweinemäster und 76% der Ferkelerzeuger aufgehört. Die Gesamtbestände haben sich um bis zu 30% reduziert. Damit ist Raum frei geworden für andere Kulturen und Nutzungen.
Da die Landwirte nachhaltig wirtschaften und in Kreisläufen denken, liege der Maisanteil auf dem Ackerland trotzdem seit Jahren stabil bei 30–34 % und die einzige Monokultur im Kreisverband Ansbach sei somit das Grünland (Eine Monokultur zeichnet sich dadurch aus, dass Jahr für Jahr die gleiche Frucht auf der Fläche angebaut und genutzt wird).
Danach sprach Monika Volkert vom Fachverband Biogas e.V.. Sie stellte die Vorteile der Biogas-Technik hervor und betonte, dass diese die Wertschöpfung wie kaum ein anderer Bereich in der Region halte. Gemeinsam mit Armin Nürnberger präsentierte sie dann dem Publikum die neuen Wärme- und Anlagenschilder und stellte auch die Beschilderung für die Haushalte, die an ein Wärmenetz angeschlossen sind, vor. Armin Nürnberger lobte bei dieser Gelegenheit noch ein Gewinnspiel aus: Unter allen Wärmeabnehmern, die das Schild am Haus anbringen und fotografieren, wird „Eine Woche Gratis-Wärme“ während der Heizperiode Ende Dezember 2017 verlost.
Im Anschluss stellte sich Christian Neubert von der UmweltBank vor: als rein ökologische Bank konzentriert sich „Deutschlands grüne Bank“ auf ein wesentliches Ziel: so viele Umweltprojekte wie nur möglich zu fördern. Bei keiner anderen Bank kann man sein Geld so konsequent umweltfreundlich arbeiten lassen wie bei der UmweltBank, mit der die Firma „Biogasvertrieb Nord“, deren Geschäftsführer Siegfried Auer und Armin Nürnberger sind, bereits seit Jahren hervorragend zusammenarbeitet.
Marco Meier, Direktkandidat der Freien Wähler und gebürtiger Weihenzeller, nutze die Gelegenheit für ein Heimspiel und lobte Biogas als gute Sache für die Bevölkerung.
Auch Landrat Dr. Jürgen Ludwig betonte das Engagement der Anlagenbetreiber und stellte die Wichtigkeit von derartigen Veranstaltungen heraus. Es sei wichtig, die Öffentlichkeit zum Dialog einzuladen und so Aufklärungsarbeit zu leisten. Dazu tragen auch die landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf maßgeblich teil und es werden Perspektiven für junge Landwirte im Landkreis Ansbach geschaffen.
Der Abgeordnete Artur Auernhammer beendete den offiziellen Teil mit einer flammenden Rede. Er betonte, dass Biogasanlagen die einzige erneuerbare Enerieform sind, die immer Strom und Wärme liefern kann, wenn diese gerade benötigt wird – im Gegensatz zu Solar und Windkraft. Daher trage Biogas einen wichtigen Part zum Energiemix bei und nach dem Atomausstieg 2022 führe kein Weg daran vorbei. Er appellierte an alle Biogasbetreiber, ihre Anlagen jetzt fit zu machen für die Zukunft. So stehe einer flexiblen Einspeisung in Zeiten nach dem Atomstrom nichts im Wege. Als stv. Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sagt er: „Einerseits suchen wir ein Endlager für unseren Atommüll, das für eine Million Jahre halten soll – andererseits regen wir uns darüber auf, wenn der Mais einen Sommer lang auf dem Feld steht!“

Im Anschluss wurde gegessen und getrunken und Christian Philipp alias „DJ Wiesel” sorgte bis in die frühen Morgenstunden für gute Musik und hervorragende Stimmung.

Der Gewinn des Festes wird übrigens für eine gute Sache gespendet und geht an das Projekt „Schule in Tansania“, das eine Freundin der Familie Stallmann-Prechtel ins Leben gerufen hat und selbst vor Ort betreut.

Fazit: Gäste und Gastgeber haben das Fest genossen und die Firma Biogasvertrieb Nord bereitet sich auf die nächste Veranstaltung vor, die am 15. Juli 2017 in Brachbach (bei Obernzenn) an der Biogasanlage von Matthias Stammberger stattfindet. Die Bevölkerung ist hierzu herzlich eingeladen.

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