Gemeinde Weihenzell

Willkommen bei Familie Schneider!
So herzlich wurden die Gäste am Samstag, den 29. Juli 2017 in Weihenzell (Landkreis Anbach) begrüßt.

Zahlreiche Wärmeabnehmer, Lieferanten, Kunden und die Bevölkerung von Weihenzell folgten der Einladung der Familie Schneider auf den Hof und die Biogasanlage der Familie Schneider (HS-Bioenergie Weihenzell). Bei herrlichem Sommerwetter hatten die Gäste Gelegenheit, sich in idyllischer Location mit den Anlagenbetreibern und den anderen Besuchern auszutauschen, sich Führungen über die Anlage anzuschließen oder gemütlich im Zelt etwas zu essen und zu trinken.

Der Hausherr Hans Schneider begrüßte die interessierten Gäste und stellte kurz die Gesichter hinter der Firma SN Biowärme GmbH & Co. KG vor: die Gesellschafter David & Simon Schneider (Söhne von Hans Schneider) sowie Armin Nürnberger. Die Krankheit von Hans Schneider hatte es nötig gemacht, Vorkehrungen zu treffen und so hatte David Schneider sein Studium abgebrochen um den Betrieb zu übernehmen. Er macht im Herbst seinen Meistertitel und geht anschließend noch für ein Jahr nach Triesdorf. Simon Schneider absolviert derzeit eine Ausbildung zum Mechatroniker in einem Industriebetrieb und steigt danach auch in den Betrieb mit ein. Armin Nürnberger war der Initiator für die Wärmenetze in Weihenzell und ist damals auf Hans Schneider zugekommen um dessen Abwärme der Biogasanlage zu nutzen und ist seitdem ein wichtiger Partner und Freund für Hans, Simon und David.
Hans Schneider begrüßt weiterhin die anwesenden Ehrengäste:
Gerhard Kraft (1. Bürgermeister Weihenzell)
Jürgen Ströbel (Landtagsabgeordneter CSU)
Rainer Weiß (Geschäftsführer Bauernverband Ansbach)
Peter Hecht (Regionalgruppensprecher vom Fachverband Biogas) und
Direktor Herrmann Meckler von der VR-Bank.
Entschuldigt haben sich Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Bundestagsabgeordneter Artur Auernhammer und Andreas Neuner (FDP-Direktkandidat für den Wahlkreis Roth-Nürnberger Land). Weiter wurden alle Wärmekunden, Lieferanten, regionale Landwirte und die Bevölkerung von Weihenzell begrüßt.

Im Anschluss stellte David Schneider (einer von fünf Söhnen von Hans Schneider) den Betrieb vor, den er seit 2017 zusammen mit seinem Bruder Simon übernommen hat. Er werde künftig den Betrieb und die Biogasanlage mit Armin Nürnberger gemeinsam weiterentwickeln.
Grundlage für die Landwirtschaft und Biogas war die Aussiedlung der Großeltern 1975 vom Ortskern an den Ortsrand. 1996 wurde die erste Biogasanlage mit 37 KW errichtet zur Verwertung von Gülle und Mist. Diese Anlage brannte 2004 durch einen technischen Defekt ab. Nach langem Überlegen wurde wieder aufgebaut und erweitert und im Herbst 2004 ging eine Anlage mit 100 KW ans Netz. 2005 wurde erneut um einen Motor erweitert (jetzt 200 KW). 2009 wurde das Gastrichter-Endlager errichtet und 2011 zusammen mit Armin Nürnberger das erstes Wärmenetz errichtet und ein weiteres Aggregat mit 210 KW installiert. 2014 wurde ein weiteres BHKW mit 210 KW angeschafft und man ist in die Diektvermarktung und Flexibilisierung eingestiegen (Anlage schaltet bei Stromspitzen zu, bzw. bei höheren Strompreisen). Die Fahrweise der Anlage wurde an den Wärmeverbrauch angepasst. Im Sommer: 200 KW, im Winter: 600-650 KW um die Ausnutzung zu optimieren und die Umwelt nicht unnötig mit Abwärme zu belasten.
2015 erfolgte eine erneute Leistungssteigerung der Anlage um 350 KW, die Jahresleistung blieb aber bei 400 KW. Mit dem Einstiegt in die Regelenergie und der Installation einer „Power-to-Heat-Anlage“ (Heizstab, der elektrische Energie in thermische Energie umwandelt und ins Wärmenetz einspeist) konnte dazu beigetragen werden, dass Schwankungen im Stromnetz abgefedert werden. Derzeit wird die Power-To-Heat-Anlage als Notheizung genutzt. Die Anlage hat heute 970 KW installierte Leistung und erhielt 2016 eine neue Steuerung für das gesamte Wärmenetz und die Wärmezentrale und das Neubaugebiet Finkenweg wurde mit fast 80% angeschlossen. Es wurde außerdem eine Heizölkessel installiert um die Wärme für die Abnehmer garantieren zu können.
Derzeit werden 3,5 Mio KWh pro Jahr produziert, das ist Strom für ca. 800 Einfamilienhäuser. Außerdem fallen 3,2 Mio KWh Wärme an (davon werden 75% für das Heizen der angeschlossenen Häuser sowie der öffentlichen Einrichtungen verwendet, 20% für das Heizen der Fermenter, nur 5% gehen über den Notkühler verloren). Firmenphilosophie: Keine Wärmeabfall produzieren und die Umwelt nicht mit zusätzlicher Wärme belasten.

Es folgte Bürgermeister Gerhard Kraft mit seinem Grußwort. Er befürwortete ausdrücklich die Versorgung der kommunalen Liegenschaften durch Wärme aus Biogas. Auch das Freibad werde durch Nahwärme ständig auf 24 Grad beheizt, davon profitiere die Gemeinde (Badegäste) und die Anlagenbetreiber (Überschüssige Wärme im Sommer kann sinnvoll verwertet werden). Auch der Bauhof und die Schule und Kindergarten seien längst an das Wärmenetz angeschlossen. Kraft lobte, dass die jungen Unternehmer das Unternehmen weiterentwickeln wollen. Er betonte die Aktivität der Gemeinde in Sachen Umweltschutz: Beginnend mit der Wasserversorgung und Beteilung an einer Windkraftanlage, über eine Eigenstromanlage auf dem Dach der Schulturnhalle seien optimale Bedingungen für eine gute Ergänzung zur Biogasanlagen geschaffen.
Der Verbrauch der kommunalen Liegenschaften allein läge derzeit bei 600.000 KW im Jahr. Das entspräche 65.000 Litern Heizöl und damit einer Einsparung von 200 Tonnen C02.

Jürgen Ströbel
berichtete, dass der Landkreis Ansbach, besonders die Gemeinde Weihenzell immer Vorreiter in Sachen regenertiver Energie gewesen ist. Durch den Beschluss für den entgültigen Ausstieg aus der Atomenergie und das Zurückfahren der Kohlekraft 2022 ist die Entwicklung hin zu Biogas wichtig. Denn Biogas ist steuerbar und nicht auf Wind und Sonne angewiesen.
Ströbel plädierte dafür, die Anlagen länger laufen zu lassen und auch den Zubau weiterhin zu ermöglichen. Der Zubau sei sehr teuer, daher müssen diese Investitionen für die Anlagenbetreiber längerfristig abgesichert werden. Seit 2014 gibt es neue Regelungen auch für Anlagenbetreiber. Die Umweltfreundlichkeit der Anlagen ist auch deutlich besser geworden. Wertschöpfung bleibt in der Region und geht nicht in andere Bundesländer und die Region profitiert u.a. von den Einnahmen durch die Gewerbesteuer. Ströbel wünschte der Familie Schneider, dass die Anlage weiterhin entwickelt wird und Sicherheit für die jungen Leute bietet.

Rainer Weiß
setzt an zu einem „Grußwort wie ein Minirock“: kurz aber wesentlich. Er betonte die Bedeutung eines Tag der offenen Türe, denn Landwirtschaft kann keiner besser erklären als der Landwirt selbst. Der BBV Kreisverband ist in Bayern ein bedeutender und der Größte mit ca. 7000 Betrieben. Strukturveränderungen gab es schon immer, man muss sich eben damit auseinandersetzen. So ist die Monokultur nicht so schlimm wie gesagt: Mais hat die höchste Sauerstoffproduktion pro Hektar, er wächst sehr gut bei uns und braucht nur einmal pro Jahr Pflanzenschutz. Weiß nannte noch ein paar Zahlen: Der Rinderbestand in Bayern ging von 1987–2007 um 37% in Mittelfranken zurück. Bei 0,3 ha Futterfläche pro Rind bedeutet das, dass 61.000 ha Fläche frei geworden sind für andere Nutzung, z.B. für Biogas. Auch der weitere Viehbestand in der Region hat sich in den letzen 15 Jahren dramatisch verändert: so haben 55% der Milchviehhalter, 58% Rindermäster, 66% Schweinemäster und 76% der Felkelerzeuger den Betrieb aufgegeben und die Tierzahlen sind um 21-30% zurückgegangen. Massentierhaltung ohne industrieelle Landwirtschaft gibt es in diesem Ausmaß nicht, daher ist es wichtig dass man der Bevölkerung die Landwirtschaft erklärt. Dazu gibt es eine neue Broschüre vom Bauernverband im Kreisverband Ansbach.
Zum Thema Düngeverordnung sagte Weiß, dass das gesamte Ansbacher Gebiet möglicherweise „rotes Gebiet“ wird. Dies läge aber nicht daran, dass die Bauern alles falsch machen, sondern weil es einfach zu wenig regnet. Daher kommen neue Einschränkungen auf die Landwirte zu. Wandel gab es schon immer: man darf nur keine Angst davor haben!

Als Regionalgruppensprecher von Mittelfranken kämpft Peter Hecht mit dem Fachverband Biogas e.V. gegen große Konzerne. Dafür wurde eigens ein Büro in Berlin für Lobbyarbeit eingerichtet, die finanziellen Möglichkeiten des Verbandes bleiben allerdings weit hinter denen der großen Energieversorger zurück. Peter Hecht lobt Hans Schneider war 1996 Pionier in der Biogasszene und betont, dass das Unternehmen der Familie Schneider durch die Rindermast, die Direktvermarktung (Hofladen) und Biogasanlagen besonders breit aufgestellt ist. Im Wärmebereich habe diese Anlage eine der größten Wärmenetze der Region. Hecht erläuterte, dass durch Biogas wieder Schwung in die Landwirtschaft kam: als zweites Standbein mit einer planbaren Vergütung. Die jungen Leute hätten „Bock drauf, wenn man die landwirtschaftlichen Betriebe draußen anschaut“.
Biogas hat dem ländlichen Raum viel Wertschöpfung gebracht und auch wieder eine neue Wertschöpfung, denn Grund und Boden werden wieder mehr wert – was der Gemeinde wiederum zugute kommt.
Früher wurde Biogas als Grundlast eingespeist, heute weiß man dass Biogas mehr kann und auch flexibel eingesetzt werden kann. Wärme als Koppelprodukt macht die ganze Anlage sehr effizient und Nahwärme ist nicht nur CO2 neutral, und regional sondern auch für den Hausherren sehr komfortabel und nahezu wartungsfrei. Auch auf das Thema Düngeverordnung ging Hecht ein: Biogas hat auch ein Gärprodukt als Abfallprodukt. Der Gärrest wird im Frühjahr wieder auf das Feld ausgebracht und führt zu einem Nährstoffkreislauf. So müsse kein Dünger (z.B. Phosphat)zugekauft werden, der von Peru aus um die halbe Welt geschifft wurde. Nun ist es an den Politikern zu entscheiden, wie es mit der Energiewende weiter geht.

Gäste und Gastgeber haben das Fest in lockerer und gemütlicher Atmosphäre genossen. Die letzte Veranstaltung in der Reihe findet am 9. September 2017 in Möckenau an der Biogasanlage von Armin Nürnberger statt. Die Bevölkerung ist hierzu herzlich eingeladen.

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